Was hab ich da wieder angerichtet
17 08 2009Es fing alles wie so oft ganz harmlos an. Ein Blog sollte aufgesetzt werden, die verfügbaren Vorlagen entsprachen nicht zu 100% ihren Vorstellungen. Also habe ich die möglichen Modifikationen am Layout ins Gespräch gebracht, sie mit sanftem Scriptcode angefixt - und direkt php und css süchtig gemacht.
Die angedachten "kleinen Anpassungen" arteten zu einem schlaflosen Wochenendmarathon voller stundenlanger Bugsuche aufgrund von Flüchtigkeitsfehlern, nervenaufreibenden Browserinkompatibilitäten, unvorhergesehenen Seiteneffekten völlig unschuldig aussehender Zeilen und den verheerenden Auswirkungen simultaner Remoteeditierung von Dateien und damit verbundenen Datenverlusts durch versehentliches überschreiben aus.
Das faszinierende war, sie hat direkt die schattenseiten des Geschäfts miterlebt. Musste erstmal durch ihr völlig neue Konzepte von Code, Stylesheets oder Datenbanken steigen und die Grundlagen lernen. Die alltäglichen Auswüchse des Codemonkeydaseins wie z.B durchzechte Nächte, exzessiver Koffein- und Tabakkonsum, temporäre Orientierungslosigkeit beim aufblicken vom Bildschirm, zwangsläufig entstehender Stress, plötzlich ausbrechender Technikhass sowie streckenweises Zweifeln am eigenen Verstand hat sie offenen Auges auf sich zukommen sehen, sie als notwendiges Übel akzeptiert und, ich glaube nicht ganz ohne diese perverse Art von Geeknesslust, widerstandslos über sich ergehen lassen. Zu diesem Zeitpunkt hätte sie noch die Handbremse ziehen können. Einfach mal schlafen gehen, etwas anderes tun, die Seite mal Seite sein lassen und sich ablenken. Doch zum ende des Wochenendtrips in die Welt phpbasierter CM Systeme lichtete sich der Nebel, viele Bugs verschwanden, die gewünschte Funktionalität wurde wirklich greifbar, alle Teile kamen zusammen, das Design - gewagt, aber stimmig - gefiel und wir konnten Stolz auf uns sein etwas funktionierendes, ästhetisches und sinnvolles, gemeinsam erschaffen zu haben. Es war Sonntag abend, wir waren müde und mussten ins Bett.
Die erwartete Reaktion nach dem Hineinschnuppern ins dreckige Business, nach etwas Abstand in Form von Ausschlafen sowie dem allmontaglichen Wiedereintritt ins Alltagsleben, wäre eine gesunde "Ja schön wars, einmal und nie wieder"-Haltung. Wäre. Ich bemühe hier absichtlich den Konjunktiv, denn stattdessen trat folgendes ein:
Sie wählt noch einen zusätzlichen Kurs dieses Semester: Informatik.
Schon schnell wird sie die richtig harten Sachen probieren wollen, und ich meine nicht nur sauberen Stoff wie Java oder C#, nein, meiner Einschätzung nach werden es wohl neben C++ auch die richtig dreckigen Sachen wie Perl, Haskell oder komplexe XSLTs werden, ich ahne nichts gutes, und harre der Dinge die da noch kommen.
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