Snowden, Überwachung und die turbulente nahe Zukunft

20 05 2014

Da hab ich mir neulich im Urlaub doch glatt George Orwells 1984 durchgelesen.


Das Buch ist definitiv nicht als Urlaubslektüre zu empfehlen, denn es lässt einen grübelnd und mies gelaunt zurück.


Aber es regt zum Nachdenken an, grad vor dem Hintergrund der aktuellen Snowden-Enthüllungen.

Meine These ist, dass die Überwachung eh nicht mehr weggehen sondern eher noch stärker wird. Gesetze sind zahnlose Tiger dagegen. Computer sind nunmal Maschinen die Daten speichern und verarbeiten und das wird man ihnen nicht abgewöhnen können. Alle legislativen Vorstöße dazu sind reiner Fassaden, die die Datenberge kaschieren und vor der Öffentlichkeit verbergen. Kriminelle, Geheimdienste und sonstige Schergen, denen Gesetze sowieso egal sind, werden sich immer Zugang verschaffen und somit einen Wissensvorsprung ergaunern können, mit dem sie Leute beeinflussen oder unter Druck setzen können.


Wo geht es also hin?


Ich denke unsere Gesellschaft wird sich transformieren. Nehmen wir die berühmten sexuellen Vorlieben, die immer als Datenschutzargument herhalten müssen. Ich gehe fest davon aus, dass man diese recht sicher bestimmen kann, wenn man die Browserhistory eines Benutzers über einen längeren Zeitraum analysiert. Dazu muss er noch nicht mal auf Schmuddelseiten unterwegs gewesen sein. Es ist einfach so, dass bestimmte Menschentypen bestimmte Interessen pflegen, eine bestimmte Peer Group haben und auch im Netz nach bestimmten Mustern agieren.



Soll heissen, die sexuellen Vorlieben eines Bürgers sind für Google und andere Tracker, für Internetprovider, für Facebook und co, für den Emailprovider, die NSA, BKA, BND längst kein Geheimnis mehr.


Ist das ein Problem?


Durchaus, aber ein rein Gesellschaftliches. Wir pflegen immer noch gern das äußerliche Bild der sauberen, unsexuellen Wesen und treiben unsere Schweinereien im Geheimen. Jedem ist es irgendwie peinlich wenn da was aufgedeckt wird und genau dadurch wird er erst erpressbar. Wenn sich irgendwann mal die Einsicht durchsetzen sollte, dass man selbst gar nicht das besonders ferklige Ferkel ist, sondern so ziemlich jeder den gleichen oder ähnlichen Quark treibt wenn er nichts besseres zu tun hat, dann sind entsprechende Veröffentlichungen einfach kein Aufreger mehr, der Datensatz wird für den Erpresser wertlos.




Das zweite Datenschutzargument


Gern wird die Angst an die Wand gemalt, dass ein potentieller Arbeitgeber sich eine Gesundheitsanalyse des Bewerbers kommen lässt, die aus dem Familienstammbaum, Krankendaten und sonstigen Infos eine Wahrscheinlichkeit errechnet, wann er woran leiden und sterben wird.



Ist doch eigentlich fantastisch – wieso schickt mir die Krankenkasse eigentlich nicht jährlich diese Analyse zu, direkt mit ein paar Empfehlungen welche Ärzte ich aufsuchen sollte um einem drohenden Herzinfarkt o.Ä. vorzubeugen? Das wäre doch Gold wert und könnte das Leben der Menschen um viele, viele Jahre verlängern und dessen Qualität extrem erhöhen.


Und was ist nun mit dem Arbeitgeber?


Der könnte sich sein Geld für die Analyse sparen, wenn jeder sowas der Bewerbung beilegen würde.



Tjo und dann stünde da halt, dass der angehende Lehrer wahrscheinlich mitte 40 ein ausgebrannter, arbeitsunfähiger Stressklumpen sein wird – vielleicht sollte er den Job dann gar nicht erst annehmen? Der angehende Schlosser, dessen Analyse hingegen zeigt, dass er wahrscheinlich die nächsten 45 Jahre durchkloppt und nie krank werden wird, wird halt mehr wert sein und ein höheres Gehalt fordern können als einer, bei dem mit Gicht und Rückenproblemen zu rechnen ist. Diese Gesundheitswerte würden also zu einer Ressource werden mit der man arbeitet, nicht anders als es Bildung und Fitness heutzutage schon ist.


Auf den Genpool, den man von den Eltern mitbekommt, hat man keinen Einfluß. Aber so wie jeder heute schon versucht sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eine passende Bildung und Karriere zusammenzuzimmern, wird man das mit einer vollständigen Gen-/Verhaltens-/Umfeldanalyse ebenfalls können. Und so wie man jetzt z.B. eine Fortbildung macht um ein qualifizierendes Zeugnis zu ergattern, wird man vielleicht in 10 Jahren einen begleiteten Kurs zur Stärkung der Rückenmuskulatur belegen, um in der Gesundheitsscore hinaufzusteigen und auf diesem Weg in eine bessere Verhandlungsposition in Gehaltsfragen zu kommen.



So viel wird sich in Zukunft wahrscheinlich also gar nicht ändern und das trotz zunehmender Digitalisierung und Datenspeicherung. Es werden einfach neue Berufe und Industrien entstehen, die heute noch undenkbar erscheinen (z.B. GSEOs - Gesundheits-Search-Engine-Optimizer), aber das ist nunmal der Lauf der Welt


Die Gesellschaft und im Nachgang dann die Legislative werden sich an den technischen Fortschritt anpassen, nicht umgekehrt. Das war schon immer so. Nur die Zeit des Umbruchs wird turbulent und genau diese Phase beginnt nun.



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